Landkreis ernennt Bienenwanderwarte

Der Landkreis Aurich hat die Arbeit der Bienenwanderwarte der hiesigen Vereine nunmehr auf eine offizielle Ebene gestellt und dieser Tage sechs Bienenwanderwarte ernannt. „Diese leisten in ihren Vereinen einen erheblichen Anteil zur Erhaltung der Bienenpopulation“, schreibt der Landkreis Aurich in einem Online-Beitrag. Für den Bereich des Imkervereins Norden ist seit Langem Eberhard Janssen als Wanderwart zuständig. Mehr

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100 Jahre Imkerverein: Mitglieder blicken während Feier zurück

Vorsitzender Thorsten de Buhr blickte während der Feier zum
100-jährigen Bestehen des Vereins auf einzelne Stationen der Vereinsgeschichte zurück.

Mitglieder feierten am 15. Februar in Hage den 100. Geburtstag ihres Vereins
Ehrungen: Johannes Bracht und Heinrich Immoor sind über 60 Jahre dabei

Die Mitglieder des Imkervereins Norden haben am Sonnabend, 15. Februar 2020, in den Räumlichkeiten der Tanzschule Galts in Hage den 100. Geburtstag ihres Vereins gefeiert. Die zahlreich erschienenen Imker.innen nutzen den Abend ausgiebig, um in Erinnerungen zu schwelgen. Aber auch die Fachsimpelei kam nicht zu kurz. Daneben trug sicherlich auch das abwechslungsreiche Buffet zum Gelingen des Abends bei.

Vereinsvorsitzender Thorsten de Buhr fasste die Entwicklung des Vereins in mehreren Episoden kurzweilig zusammen: „Wie Herr Niebelsiek als Gemeindevorsteher von Lütetsburg letztendlich 48 Vereinsgründer dazu bewegen konnte, den Verein zu gründen, bleibt uns sicher für immer verborgen“, wies er auf die teils „dünnen“ Aufzeichnungen aus den ersten Jahrzehnten der Vereinsgeschichte hin. Zumal es keine Zeitzeugen mehr gibt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit über die Umstände der Vereinsgründung sehr viel Interessantes hätten beitragen können.

Zum Nachfolger von Nebelsiek wurde nach einigen Jahren Herr Nordmann, Lehrer aus Westermoordorf, gewählt. Er führte das Amt über die Kriegsjahre bis 1945.

Bereits 1931 wusste man um die Heilkraft des Honigs. Dieser wurde in kristalliner Form verkauft und hielt somit ein Qualitätszeichen, das der Honig nicht erhitzt wurde, zitierte Thorsten de Buhr aus den alten Unterlagen. Im gleichen Jahr gab es in Wittmund das Treffen der Ostfriesischen Imker. Als Referent hielt Prof. Dr. Koch aus Celle damals einen Vortrag über die Zucht.

Am 24./25. September 1932 fand das Ostfriesische Imkertreffen in Norden statt. Hier ging es um den Anschluss an den deutschen Imkerbund. Der Grund war die Verwendung von einheitlichen Gläsern. Prof. Dr. Koch berichtete in seinem Vortrag über den Wert des Honigs. Zudem gab es eine Börse, auf der sowohl Bienen in Strohkörben als auch Mobilbeuten zu besichtigen waren.

1933 wurde der Norder Imkerverein umgetauft auf den Namen Deutscher Imkerbund e.V., Ortsgruppe Norden. Hintergrund war die Machtergreifung der NSDAP. Der Verein verlor seine Autonomie. 1934 wurde der Verein erneut umgetauft auf den Namen „Ortsfachgruppe Norden, Reichsfachgruppe Imker“.

Die Jahreshauptversammlung wurde in vollständiger Besetzung abgehalten. Bereits 1934 wurden Bienenseuchen-Obmänner eingesetzt. Dieses war der Konrektor Cassens und der Imker Tecken aus Norden, geht aus den Protokollen hervor.

Im gleichen Jahr wurde angeregt, Linden, Ahorn und Ulmen nicht weiter zu beschneiden, um das Nahrungsangebot für Bienen sicherzustellen, zitierte de Buhr ein Zeitungsauszug aus dem Kurier.1935 wurde schließlich ein Rapskataster eingeführt, um die Flächen besser unter die Imker zu verteilen, konnte Vorsitzender de Buhr aus den alten Protokollen berichten.

Die Mitgliederzahlen hielten sich im Norder Imkerverein bis zu Kriegszeit nahezu konstant. Die Zeiten wurden härter und es kam zur Abgabe von Honigwachs für die Kriegswirtschaft. Die Folge für die Imker war, dass ihre eigenen Vorräte knapp wurden.

Der Imkerverein Norden feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

Wie musste man sich die Imkerei damals überhaupt vorstellen ?

Die Technik und Vielfallt der ganzen Werkzeuge und Schleudern lassen sich in kleinster Weise mit der heutigen vergleichen, so Thorsten de Buhr. Geimkert wurde in den meisten Fällen mit Strohkörben und Hinterbehandlungskästen, die Einzug in das Magazinimkern hielten. Die Beuten waren um einiges kleiner als die die jetzigen Magazinbeuten. Heutige Styroporbeuten waren natürlich nicht zu finden.

„Imker waren stets sparsam, was man besonders an unseren älteren Imkern erkennen kann“, zog de Buhr schmunzelnd ein Resümee und weiter: „Was damals sicherlich auf die schlechten Zeiten zurückzuführen war. Es wurde zwangsläufig viel instand gesetzt oder Rähmchen neu gedrahtet. Ein Neukauf kam nur selten in Frage.“

Der Zweite Weltkrieg sorgte dafür, dass aus der lieblichen Honigschleckerei des Imkers ein kostbarer Artikel wurde, der in den Notzeiten oft einziges Mittel zum Süßen war. Die Honigpreise wurden, wie Thorsten de Buhr in den Protokollen nachlesen konnte, staatlich festgelegt. Der Großhändler bezahlte 1940 für losen Honig (500 Gramm) 1,05 RM. Im Laden kosteten 500 Gramm Honig im Einheitsglas 1,55 RM. 1940 gab es im Bereich des Imkervereins 515 Kastenvölker und noch 142 Korbvölker. Pro Volk waren 3 Kilogramm Honig als „wertvolles Volksgut“ abzugeben. Auch Bienenwachs musste, wenn es nicht zur Mittelwandherstellung genommen wurde, abgegeben werden.

Am 16.12.1945 wurde Herr Albert Lentz zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die harten und spärlichen Kriegsjahre vergingen und das Vereinsleben kehrte langsam zur Normalität zurück. Aber die weiteren Jahre waren dennoch beschwerlich für jeden Imker. Die Währungsreform im Jahre 1948 wurde für viele Imker sogar zu einem Kraftakt, da der Zucker für die Winterfütterung sehr teuer wurde, wusste de Buhr zu berichten.

Im Jahre 1951 waren sage und schreibe 4 Mitglieder bei der Versammlung anwesend. Im gleichen Jahr wurde der Lehrer van Dieken zum 1. Vorsitzenden gewählt. 1953 schließlich wurde der Züchterring in Norden gegründet.

Bereits im Jahr 1955 gab es eine Aufzeichnung, dass Imker möglichst ihren Honig  im Einheitsglas verkaufen sollten, um sich von ausländischen Honigen abzuheben.Der Imkerverein Norden hatte zum damaligen Zeitpunkt etwa 50 Mitglieder.

Im Jahre 1962 wurde endlich ein Platz für die Inselbelegstelle auf Norderney gefunden, denn der alte Platz konnte nicht mehr genutzt werden. Die Gründe hierfür sind nach den Worten von de Buhr leider nicht bekannt.

Im Jahre 1963 wurde der Norder Stadtinspektor Hermann Poppen zum ersten Vorsitzenden gewählt. Sein Vorgänger musste das Amt aus gesundheitlichen Gründen abgeben.

Seit 1965 legte der Imkerverein Norden besonderen Wert auf die Zucht. Es wurde Zuchtstoff abgegeben. Aufgrund der guten Arbeiten in der Zucht, entstand eine enge Zusammenarbeit mit dem Bieneninstitut Oberursel, wusste der jetzige Vorsitzende aus dem Studium der alten Protokollbücher zu berichten.

Am 16.03.1969 wurde Willfried Brüchert zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er sollte dieses Amt über 40 Jahre ausüben.

In den 1980 überschwemmte dann die Varroamilbe Ostfriesland – in der Geschichte der Bienenzucht und Imkerei eine Zäsur. Der Parasit sorgt bis heute für große Schäden in den Bienenvölkern.

Im Rahmen seiner guten Zuchtarbeit in seiner langen Vereinszugehörigkeit konnte Willfried Brüchert viele Imker durch seinen Erfahrungsschatz und Zuchterfahrungen begeistern. “ Willfried und Doris haben den Norder Imkerverein maßgeblich geprägt und zu einen guten Namen verholfen. Hierfür möchte ich mich im Namen des Vorstandes recht herzlich bedanken“, lobte der jetzige Vorsitzende dieses tolle Engagemnt für den Verein. Seit 2010 ist Willfried Brüchert der Ehrenvorsitzende des Norder Imkervereins.

2010 wurde Walter Schadt aus Norden als Brücherts Nachfolger zum 1. Vorsitzenden gewählt. 2016 gab Schadt aus beruflichen Gründen das Amt an Thorsten de Buhr ab.

Der Vorsitzende wies während des aktuellen Teils seiner Rede auf den hohen Stellenwert der Neuimkerausbildung hin. Seit 2017 bietet er gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Marienhafer Imker, Helmut Freese, die Kurse bei der KVHS in Norden an. „Hier konnten wir einige Imker und Imkerinnen in den letzten Jahren gewinnen und so dem demografischen Wandel entgegenwirken. Mit wachsender Begeisterung ist die Imkerei in den letzten Jahren regelrecht zu einem Hype geworden, der bis zum heutigen Tage nicht abgenommen hat“, freute sich de Buhr.

Im vergangenen Jahr 2019 konnte der Verein einen weiteren Erfolg verbuchen: Dem Verein wurde die Gemeinnützigkeit zuerkannt.

Zum Schluss machte de Buhr erneut auf die auch nach seinen eigenen Recherchen großen Schäden an den Bienenvölkern aufgrund des Einsatzes von Spritzmitteln aufmerksam. Auch die Wildkräuter würden zunehmend von der Bildfläche verschwinden. „Längst sind viele Arten aus der Region verschwunden, die einst für guten Ertrag gesorgt haben“, so der Vorsitzende besorgt. /RF/TdB


Heinrich Immoor aus Hage ist 62 Jahre Mitglied des Imkervereins Norden. Vereinsvorsitzender Thorsten de Buhr (l.) und sein Stellvertreter Walter Schadt überreichten die Ehrenurkunde.
Johannes Bracht kann auf eine 63-jährige Vereinsmitgliedschaft zurückblicken. Vereinsvize Walter Schadt lobte das Engagement und übergab zum Dank die Ehrenurkunde.

Ehrungen

Ein Höhepunkt des Abends waren die Ehrungen von langjährigen Mitgliedern. Johannes Bracht, Großheide, wurde für seine 63-jährige Vereinszugehörigkeit vom 2. Vorsitzenden Walter Schadt ausgezeichnet. Auf Platz zwei folgte mit 62 Jahren Vereinstreue Heinrich Immoor aus Hage, der die Urkunde von Vereinschef de Buhr entgegennahm. Die weiteren Ehrungen: Ehrenvorsitzender Willfried Brüchert (Norden, 55 Jahre Zugehörigkeit), Jakobus Eden (Hage, 40), Klaas Kampen (Norden, 40), Gerhard Grendel (Norden, 30), Georg Germann (Lütetsburg, 28), Siegfried Seyb (Norden, 24), Jürgen Schulz (23), Walter Wäcken (Westerende, 20), Daniel Rabenstein (Ostermoordorf, 17), Friedrich Homann (Norden, 17), Silvia Rabenstein (Ostermoordorf, 16), Ingo Wäcken (Großheide, 16) und Beate Rabenstein (Großheide, 16). /RF

Norder Imker bestätigen Vereinsvorstand

Sorge um Insektenpopulationen – Mitgliederzahlen steigen

Die Mitglieder des Imkervereins Norden blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück, zumindest was die Mitgliederentwicklung und die Aktivitäten angeht. Vorsitzender Thorsten de Buhr zog während der jüngsten Jahresversammlung am 5. Februar im Haus der Vereine ein überaus positives Fazit der zurückliegenden Arbeit. Der Verein hat seinen Worten zufolge einen deutlichen Mitgliederzuwachs verzeichnen können. Grund für die Entwicklung sei neben dem bundesweit diskutierten Insekten- und Bienensterben, das viele Menschen veranlasst habe, selbst aktiv zu werden, die gemeinsam mit dem Imkerverein Marienhafe angebotene Schulung von Neuimkern bzw. von Interessierten, die es gerne werden möchten. Viele der Teilnehmer.innen treten nach dem erfolgreichen Abschluss den Vereinen bei. Der Norder Verein hat nach eigenen Angaben 54 aktive Mitglieder, die insgesamt über 300 Bienenvölker betreuen.

Vorstand Imkerverein Norden
Die Mitglieder des Imkervereines Norden bestätigten während der jüngsten Jahresversammlung ihren Vorstand (v. l.): Alfons Köcklar (Schriftführer), Eberhard Janssen (Wanderwart), Walter Schadt (2. Vorsitzender), Thorsten de Buhr (1. Vorsitzender) und Walter Ehmen (Kassierer).

Wenig gutes konnte de Buhr dagegen über die Honigernte berichten. Sie sei wegen des kalten und teils trockenen Wetters geringer ausgefallen als 2018. Zu alledem hatten die Imker.innen im Spätsommer mit einem massiven Völkersterben zu kämpfen. „Die Völker sind regelrecht zusammengebrochen“, konnte der Vorsitzende über die Gründe lediglich mutmaßen – darunter ein hoher Befall vieler Völker mit der Varroamilbe. „Dieses Problem müssen wir sehr ernst nehmen“, nannte Gesundheitsobmann Walter Schadt den „zu warmen Winter“ mit den daraus resultierenden zu kurzen Ruhezeiten der Bienen als einen der Hauptgründe für den starken Befall durch die Milben. „Sie führt zu einer Grundschwächung der Bienenvölker“, mahnte Schadt die anwesenden Mitglieder, die Behandlung ernst zu nehmen.

Die Norder Imker haben sich im vergangenen Jahr bei etlichen Veranstaltungen präsentiert. Vorsitzender de Buhr nannte beispielhaft die Teilnahme am Rosenmarkt und am Erntedankfest in Norden sowie an der Müllsammlung der Stadt. Auch auf Norderney waren die Imker mit einem Infostand vertreten. Besonders hob de Buhr das Engagement von Siebo Büscher sowie Erika und Egon Gronewold hervor. Die drei Mitglieder haben den Schülerinnen und Schülern der Grundschulen in Hage und Berumbur durch ihr Kursangebot Einblicke in die Imkerei ermöglicht. „Das ist eine tolle Sache“, sprach de Buhr die Hoffnung aus, dass auch in diesem Jahr die Möglichkeit dazu bestehe. Die  Norder Imker wollen nach de Buhrs Worten auch in diesem Jahr wieder auf Veranstaltungen präsent sein und an der Müllsammelaktion in der Stadt teilnehmen.

Ein weiteres Thema war der Rückgang der Insektenpopulationen. Viele Lebensräume würden schleichend verschwinden, kritisierte der Vorsitzende, dass die Böschungen vieler Gräben zu intensiv gehäckselt würden. „Natürlich muss die Entwässerung der Ländereien gewährleistet werden, aber es gehen immer mehr Refugien für Insekten verloren.“ Weniger Insekten gleich weniger Vögel – selbst auf dem „platten Land“ sind nach den Beobachtungen einiger Mitglieder immer weniger Vögel zu beobachten. „Bei uns in Berumbur sind viele Vögel einfach von der Bildfläche verschwunden“, hieß es von einem dortigen Imker, der insbesondere auf den Rückgang des Rebhuhnbestandes hinwies. Diese Art erlitt nach den Beobachtungen von Experten wie kaum eine andere Vogelart in den vergangenen Jahrzehnten dramatische Bestandsverluste. Nach den Zahlen des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) nahmen die Bestände deutschlandweit von 1980 bis 2016 um gut 91 Prozent ab. Ein wesentlicher Grund sei, dass die Küken von Insekten lebten und auf den intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen die Rebhühner nicht mehr ausreichend Nahrung finden würden. Vorsitzender de Buhr appellierte denn auch an die Politik und Verwaltungen, „im Sinne der Natur mehr zu machen.“

Engagement: Georg Germann hat seit Jahrzehnten die Vereinskasse geprüft. Jetzt hat er sein Amt aus Altersgründen abgegeben.

Bei den Vorstandswahlen blieb alles beim Bewährten.  Die Mitglieder bestätigten Thorsten de Buhr (1. Vorsitzender), Walter Schadt (2. Vorsitzender), Walter Ehmen (Kassierer) und Alfons Köcklar (Schriftführer) in ihren Ämtern. Gesundheitsobmänner bleiben Walter Schadt und Detlef Kremer, zum Obmann für Öffentlichkeitsarbeit wurde Richard Fransen gewählt. Wanderwart ist Eberhard Janssen. Kassenprüfer wurde Axel Klar. Er löst Georg Germann ab, der dieses Amt seit Jahrzehnten inne hatte und es nun aus Altersgründen abgab. Vorsitzender de Buhr dankte dem Lütetsburger für seine jahrelange gewissenhafte Arbeit.

Der 2. Vorsitzende, Walter Schadt, wiederum dankte Thorsten de Buhr: „Du hast den Verein als Vorsitzender in den letzten Jahren deutlich vorangebracht.“ Die Mitglieder quittierten dies mit langem Applaus. /RF

Imker.innen aus Ostfriesland treffen sich in Hage

Ostfriesisches Imkertreffen
Der Imkerverein Norden war am Sonnabend Ausrichter des diesjährigen Ostfriesischen Imkertreffens. Vorsitzender Thorsten de Buhr konnte im Saal der Tanzschule Galts in Hage zahlreiche Gäste – nicht alle im Bild – begrüßen.

Anlässlich des diesjährigen ostfriesischen Imkertreffens haben sich am Sonnabend
(1. Februar 2020) auf Einladung des Imkervereins Norden etwa 50 Vertreter.innen der ostfriesischen Imkervereine getroffen. Vereinsvorsitzender Thorsten de Buhr wies während seiner Begrüßungsrede in den Räumen der Tanzschule Galts auf das bevorstehende „große Ereignis“ hin – den 100. Geburtstag des Vereins, der am 18. Februar 1920 von 48 Mitgliedern gegründet worden ist. Damals wurde Gemeindevorsteher Nebelsiek, Lütetsburg, zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt, zu seinem Stellvertreter bestimmten die anwesenden Gründungsmitglieder Kreiswegemeister Tell aus Linteln. Bis heute standen in den zurückliegenden 100 Jahren lediglich acht Imker an der Vereinsspitze. Den Rekord hält Willfried Brüchert, der den Verein von 1969 bis 2010 führte. Vorsitzender de Buhr dankte am Sonnabend seinem Vorvorgänger und Ehrenvorsitzenden Brüchert, der es sich am Sonnabend nicht nehmen ließ, gemeinsam mit seiner Ehefrau Doris an dem ostfriesischen Imkertreffen teilzunehmen und sich über aktuelle Entwicklungen in der Bienenzucht zu informieren. 

Ostfriesisches Imkertreffen
Der Vorsitzende des Imkervereins Norden, Thorsten de Buhr [l.] begrüßt Peter Spieker. Der Imker aus Rhauderfehn ist Zuchtkoordinator der europäischen Buckfastimker.

Im Weiteren beklagte der Norder Vorsitzende über eine schwindende Bienenpopulation. „Die Bienenvölker werden knapp“, forderte er zu aktivem Handeln auf, um die Lebensbedingungen für die Bienen zu verbessern. „Der Klimawandel sorgt für höhere Temperaturen und das ist nicht gut für unsere Bienen“, so de Buhr, der außerdem vor einer  „Verarmung der Blütenlandschaft“ warnte: „Es darf bei uns nicht so weit kommen wie es jetzt bereits in Teilen Chinas zu sehen ist, dass es keine Bienen oder andere Insekten mehr gibt und Scharen von Menschen mit Pollen die Bäume von Hand bestäuben.“

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Referat von Peter Spieker aus Rhauderfehn. Er ist Zuchtkoordinator in der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker und beschäftigt sich seit Jahren gemeinsam mit anderen Züchtern mit dem Thema Bekämpfung der Varroamilbe. Der Parasit entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock und gilt als schlimmster Bienenschädling weltweit. Die Milbe tauchte erst in den 1980er-Jahren bei uns in der Region auf. Die Imker versuchen seitdem, die Milbe mit verschiedenen zugelassenen Medikamenten und Mitteln in Schach zu erhalten.

Ostfriesisches Imkertreffen
Referent Peter Spieker stieß mit seinem Vortrag über die Züchtung varroaresistenter Bienen bei den hiesigen Züchtern und Imkern auf großes Interesse.

Mittelfristig gilt jedoch die Züchtung resistenter oder toleranter Bienen als einzige erfolgversprechende nachhaltige Bekämpfungsmethode. Eine davon heißt VSH. Die Abkürzung steht für VarroaSensitive Hygiene und bedeutet vereinfacht, dass die Bienen durch die Zucht erkennen können, ob sich in der gedeckelten Brutzelle eine Varroamilbe befindet. Die Bienen öffnen die geschlossene Zelle und räumen sie samt Milbe aus. Der Milbennachwuchs wird dabei eliminiert. Dieses Verhalten ist seit Langem bekannt, da auch die Natur durch natürliche Auslese einigen Bienen diese für die Züchter positiven Eigenschaften zukommen lassen hat.

Durch die Züchtung will man diesen Vorgang quasi beschleunigen. Die derzeit gängige wissenschaftliche Grundlage für die Züchter ist die Erkenntnis der sogenannten rezessiven Vererbung der gewünschten Eigenschaft. Das heißt, die Varroaresistenz wird nur an die Folgegeneration vererbt, wenn auch der weibliche und männliche Teil  diese genetische Eigenschaft besitzt. Die Schwierigkeit liegt nunmehr darin, dass eine Königin von 10 bis 20 Drohnen begattet wird und somit eine fundierte Aussage, von welchem Drohn die angestrebte Geneigenschaft VSH-Resistenz stammt, nicht möglich ist. Die Züchter greifen daher auf die Ein-Drohnen-Besamung zurück. Hierbei wird die Bienenkönigin mit dem Samen nur eines einzigen Drohns künstlich befruchtet. Dieses Verfahren der Paarungskontrolle ist für eine effektive Zuchtarbeit Voraussetzung.

Referent Peter Spieker erläuterte den Imkerinnen und Imkern anhand von vielen Schaubildern den Verlauf der Untersuchungen, die er seit 2016 unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Züchter und „Pionier der Entwicklung“ Josef Koller aus der Oberpfalz begleitet. „Erfahrene Imker und Wissenschaftler arbeiten seit Jahren eng zusammen, um irgendwann varroafreie Völker zu ermöglichen“, warnte er allerdings vor derzeit zu großen Erwartungen. In den nächsten Jahren seien auf Basis von Auszählungen und Beobachtungen an den Bienenvölkern wichtige Zuchtentscheidungen zu treffen.  Dennoch sprach Spieker am Schluss seines Vortrages von einer „schönen und interessanten Zeit, in der Züchter verschiedener Richtungen zusammenkommen.“ 

Ostfriesisches Imkertreffen
Ostfriesisches Imkertreffen

Die Holzwerkstatt der Behindertenhilfe Norden zeigte in einer kleinen Ausstellung ihre jüngsten Produkte, darunter verschiedene Ausführungen von Holzbeuten, Rähmchen, Futterzargen, Vogelkästen und verschiedene Modelle von Insektenhotels für den Garten. /RF